Vortrag von Prof. Dr. Herbert Grüner, Kunsthochschule Weißensee am 18. Mai 2010 im IDZ Berlin.
In einem sehr anschaulichen Vortrag mit dem Titel „Gründungen in der Designwirtschaft – Paradoxien und deren mögliche Auflösung“ brachte Prof. Dr. Grüner die Situation von kreativen Gründern in der Erwerbswirtschaft auf den Punkt und benannte drei Paradoxien, die so treffend waren, dass die Markting Catalysts sie hier noch einmal zusammen fassen:
1. „Mehr ist weniger“
Obwohl die Kreativwirtschaft über die Jahre ein wirtschaftliches Wachstum verzeichnen konnte, gilt dies nicht für den Einzelnen. Zu diffus und dicht ist die Wettbewerbssituation mit einer überproportional wachsenden Zahl an Teilnehmern. Dies führt zu der eben paradoxen Situation, dass ein wachsender Markt dieses Wachstum nicht an die einzelnen Akteure weiter geben kann.
2. „Erfolglos erfolgreich“
Erfolg wird von Kreativen oftmals nicht als wirtschaftliche Größe. Vergleicht man etwa BWLer und beispielsweise Designer sieht man, dass völlig unterschiedliche Maßstäbe der Bewertung von Erfolg angelegt werden. Der BWLer misst Erfolg anhand von Wachstumsraten und Gewinnentwicklung, darauf richtet er sein Geschäftskonzept aus.
Für den Designer steht die Möglichkeit eine Idee, ein Konzept umsetzen zu können im Vordergrund. Damit verbunden, ist auch die Anerkennung durch die Peers als Maßstab für Erfolg. Der erwerbswirtschaftliche Anspruch des Designers ist zumeist daraus ausgerichtet „davon leben zu können“.
3. „Gründungen ohne Gründer“
Hier wird dem „klassischen“ Gründer, der Bedarfslücken erkennt und bewusst ein Unternehmen gründet um diese Bedarfslücken erwerbswirtschaftlich zu nutzen, die Gründung ohne Gründer des Kreativen gegenüber gestellt. Wie schon beschrieben, ist für den kreativen Gründer die Verwirklichung der ästhetischen Idee der Ausgangspunkt, es vollzieht sich eine gleitende Teilnahme am wirtschaftlichen Verkehr. Dem kreativen Gründer fehlt oftmals ganz klar eine unternehmerische Haltung.
Dazu kommt, dass Design als wertschöpfendes Element oftmals zu gering bewertet wird.
Über diese Wertschöpfung von, durch und mit Design im erwerbswirtschaftlichen Kontext muss Klarheit geschaffen werden. Es gibt also einen ganz klaren Gründungsauftrag für Designer und ihre Kunden. Designer müssen den Mut haben, den Wert ihrer Arbeit zu benennen. Dies erfordert Lernen, sowohl auf Seiten der Kreativen als auch auf Seiten der Kunden.
Besser könnten wir das nicht formulieren. Danke an Prof. Dr. Grüner für die freundliche Genehmigung, über seinen Vortrag zu berichten.