Am 18.01.2012 hatten das Bundeswirtschaftsministerium und der Beauftragte für Kultur und Medien ins legendäre Kreuzberger Bethanienhaus geladen, um gemeinsam über die Frage „Networking oder Marketing? Worauf setzen die Kreativen?“ zu debattieren.

Dr. Thomas Engel, Direktor des internationalen Theaterinstituts (ITI) stellte den „Innovationspunkt Europäische Märkte für Kreative“ vor: ein interessantes Serviceangebot aus einer Mediathek mit über 10.000 Präsentations- und Dokumentationsmedien zu Tanz und Theater – und damit eine der umfangreichsten und aktuellsten künstlernahen Fachsammlung zu dem Thema in ganz Deutschland! Weitere Serviceleistungen umfassen Beratungsangebot zu unternehmerischen Fragen, Coaching und Qualifizierung sowie Networking- und Präsentationsplattformen. Mehr Infos zum Angebot gibt es hier.

Teilnehmer der anschließenden Podiumsdiskussion waren Hans-Joachim Otto (Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie), Volker Heller (Abteilungsleiter Kulturelle Angelegenheiten in der Senatskanzlei Berlin), Jochen Sandig ( Geschäftsführer des Radialsystem V) und Raban Ruddigkeit (Geschäftsführer von +Ruddigkeit und Vorstand von Create Berlin). Moderiert wurde die Runde von Michael Freundt (Stellvertretender Direktor des ITI).

Soviel schon vorab: eine eindeutige Antwort auf die Frage wurde nicht gefunden. Otto räumte Kenntnissdefizite bei der Initiative ein, weshalb jetzt das ITI mit ins Boot geholt wurde. Volker Heller erwähnte, dass der Bund derzeit über mögliche Formen der Exportförderung zur besseren Präsentation der darstellenden Künste im Ausland nachdenke. Denn so etwas gibt es derzeit noch nicht. Raban Ruddigkeit empfahl, sich Projektpartner zu suchen, die außerhalb des üblichen eigenen Rahmens agieren, da die Akquise von Projekt und Kunden oft indirekt abliefe. Von Jochen Sandigs Seite kam sehr viel Input, wie z.B. die Idee einer Koalition der freien Szene und der Wunsch nach einer produktorientierte Förderung statt Strukturförderung sowie nach einer Umverteilung mit drei Komponenten: 1. ein Patenkonzept für freie Ensembles (große Häuser nehmen sich kleineren Ensembles an), 2. neue Konzepte für alte Häuser (Beispiel HAU), 3. City Tax, die die freie Szene fördert, indem Teil dieser Mittel in einen Innovationsfonds für die Kultur fließen. Seine Vision der Zukunft der darstellenden Künste: Mehr Kooperation in gemeinsamen Projekten von Truppen aus Berlin und der Welt. Bleibt also zu hoffen, dass die Exportförderung in diesem Bereich bald auf den Weg gebracht wird!

Eine wirkliche Diskussion mit dem Publikum wollte sich nicht recht entfalten, aber immerhin gab es zwei ganz interessante Wortmeldungen:

Ein anwesender Teilnehmer sprach sich für die Trennung von Kunstproduktion und der Vermarktung derselben aus. Kulturschaffende seien oft weitaus erfolgreicher, wenn sie diese Aufgabe externen Marketingspezialisten überließen, die sich mit der Kultur- und Kreativwirtschaft auskennen. Und eine zweite Wortmeldung betonte, dass die beste Wirtschaftsförderung stets die Förderung der Forschung sei. Genau diese Praxis solle nun auch endlich auf die Kultur und in diesem Falle die DS angewandt werden: denn auch in der Kunst gibt es ein Stadium, das noch vor der Aufführung steht und das noch viel, viel schwieriger zu fördern ist, als das „fertige Produkt“.