Gestern wurde im International in Anwesenheit des Regisseurs der neue Guy Maddin-Film “Keyhole” gezeigt. Darin entführt uns Maddin in die schwarz-weiße Welt eines labyrinthartigen Hauses, in dem in einer stürmischen Regennacht die Geister des Hauses und eine Gangsterbande aufeinandertreffen.
Ulysses Pick (Jason Patric), der Herr des Hauses, kehrt von einer Reise zurück, hat aber die letzte entscheidende Etappe noch vor sich: er muss sich den Weg zu seiner Frau (Isabella Rosselini) erarbeiten, die im oberen Geschoss wohnt. Um zu ihr zu gelangen, muss er aber erst zahlreiche verschlossene Türen öffnen. Immer wiederkehrendes Symbol: die Schlüssellöcher, durch die das Paar in Kontakt tritt und Ulysses um Einlass bittet.
Überhaupt strotzt „Keyhole“ vor komplexer Homerischer Symbolik, die sich jedoch dem Betrachter nicht immer erschließt, so dass es mitunter schwer ist, dem Geschehen wirklich zu folgen. Immerhin im Gedächtnis bleiben eine bezwingend morbide Atmosphäre und die großartige schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller sowie in der Nebenrolle eines Arztes: Udo Kier, der ebenfalls anwesend war.
Nach dem Film kamen Kier und Maddin gemeinsam auf die Bühne und berichteten von ihrer vergangenen und zukünftigen Zusammenarbeit. Kier mit californisch-gebräuntem Teint im eleganten dunkelgrauen Anzug und in Entertainerlaune, Maddin mit zerzaustem Haar, leicht schüchtern und sympatisch-zerstreut wirkend.
Nach der Entstehung des Filmes gefragt, erklärt Maddin, dass er ursprünglich etwas viel kommerzielleres geplant hatte, eine Komödie rund um eine Gangsterbande. Dann aber habe sich das Ganze in eine ganz andere Richtung entwickelt und die Gangsterstory sei immer mehr in den Hintergrund getreten. Er sei halt nicht wie Kubrick, brauche keine hundert Takes einer Szene sondern sei meistens ganz zufrieden damit, wie sich die Dinge entwickeln. Das Haus, in dem der Film spielt ist übrigens sein eigenes: „It’s my house but dipped into a melancoly sauce.“
Ab heute sind Kier und Maddin wieder gemeinsam unterwegs, um in Paris an ihrem neuen Projekt zu arbeiten: 100 lost films. Das Projekt will verlorene und zerstörte Filme wieder auf die Leinwand bringen. Da zu diesen Filmen oft nur wenig überliefert ist, begeben sich Maddin und seine Schauspieler vorher in eine Art Trance und versuchen, sich dem Filmstoff und seinen Charakteren auf diese Art zu nähern und mehr über ihr Wesen zu erfahren. Gedreht wird an mehreren Orten – in Europa wird Udo Kier in allen Filmen eine Rolle spielen.
Keyhole, Canada 2011, 93 min.